Was es braucht, um mit kleinen Engagements das Zusammenleben einer ganzen Gemeinde zu fördern? “Den Mut, damit anzufangen.”

Isabella Mühlematter ist seit über acht Jahren im Gemeinderat von Wünnewil-Flamatt. Nach zwei Jahren Amtszeit fasste sie sich den Mut, mit etwas Neuem anzufangen. 2013 lancierte die gebürtige Aargauerin zusammen mit der Gemeinde und dem Kanton Freiburg das Projekt “Gemeinsam in Wünnewil-Flamatt”. Dabei handelt es sich um ein kommunales Projekt, das im Rahmen des kantonalen Integrationsprogramms die Lebensqualität und den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf Gemeindeebene fördern will.

Die Gemeinderätin wollte mit dem Projekt in diejenigen investieren, mit denen sie tagtäglich zu tun hat: Ihre Mitmenschen. “Strassen und Gebäude in einer Gemeinde in einem guten Zustand zu erhalten, ist sehr wichtig. Doch was die Gemeinde schlussendlich ausmacht, sind ihre Einwohnerinnen und Einwohner. Sie sind es, in die mehr investiert werden muss”, betont die Wahl-Freiburgerin.

Bild: Mühlematter und ihr Team vor der Eröffnung des Street Food Festival

Die VernetzerInnen+

Seit dem Start des Programms haben so bis heute rund 30 Personen der Sense-Gemeinde zusammengefunden. Gemeinsam setzen sie sich aktiv für ein respektvolles Miteinander ein, knüpfen und vermitteln Kontakte und stärken den Austausch sowie die Vernetzung der beiden Dörfer Wünnewil und Flamatt.

“Wir sind Einwohnerinnen und Einwohner aus Wünnewil-Flamatt mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und Lebenserfahrungen, die in den beiden Dörfern vernetzt sind und aktiv am Gemeindeleben teilnehmen.”
Leitsatz der VernetzerInnen+ aus Wünnewil-Flamatt

Für den offiziellen Titel “VernetzerIn+” besuchten die Vernetzerinnen und Vernetzer Kurse, in denen sie ihre Kenntnisse und Kompetenzen im freiwilligen Einsatz zum Wohl der Gemeinde erweitert haben, wie auf der Webseite zu lesen ist. Mühlematter erzählt: “Die Menschen müssen im Umgang mit den Mitmenschen sensibler werden, damit ein ‘Miteinander’ entsteht. Es geht vor allem darum, Meinungen und Taten von anderen nicht direkt zu werten sondern einfach mal zuzuhören.”

Mehr zu den VernetzerInnen+

Das Problem des Nebeneinanders

Von zu wenig Engagement möchte Mühlematter nicht sprechen, wenn man sie auf die Zeit in Wünnewil-Flamatt vor dem Vernetzungsprogramm anspricht. “Es gab schon immer viele Vereine und Personen, welche sich in der Gemeinde engagierten. Nur geschahen viele dieser grossartigen Einsätze oft nebeneinander statt miteinander.” Genau dort wolle das Vernetzerprorgamm ansetzen. Aus den verschiedenen Parteien einer Gemeinde sollen Synergien genutzt und Kontakte geknüpft werden. Dafür braucht es jedoch ab und an etwas Hilfe von aussen – zum Beispiel von den VernetzerInnen+.

“Es geht darum, Meinungen und Taten von anderen nicht direkt zu werten.”
Isabella Mühlematter über die Aufgabe von VernetzerInnen+

Dass sich das Projekt “Gemeinsam in Wünnewil-Flamatt” neben der täglichen Arbeit der Vernetzung auch für ein aktives Zusammenleben einsetzt, zeigt sich am Beispiel eines Street Food Festivals diesen Sommer. Im Juni halfen die Vernetzerinnen und Vernetzer mit, unter der Autobahnbrücke in Flamatt ein kulinarisches Festival mit dutzenden verschiedenen Essensständen und reichlich Unterhaltung zu organisieren. Über 1000 Personen kamen zusammen, weit mehr als erwartet wurden. “Personen aus 52 verschiedenen Nationen zelebrierten das Zusammenleben in unserer Gemeinde”, schwärmt Mühlematter. Möglich gemacht haben dies der Einsatz des Projektes sowie viele weitere Freiwillige, welche mit Ständen das Festival zu dem machten, was es war: Ein Fest der Vernetzung.

Bild: Das Street Food Festival unter der Autobahnbrücke in Flamatt

Grösseres Interesse am Gemeindeleben

Die Geschichte von Wünnewil-Flamatt zeigt, wie das Engagement weniger Personen viel bewirken kann. Auf einmal engagieren sich Menschen, welche zuvor in der Gemeinde noch nie richtig gesehen wurden. “Zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner interessieren sich plötzlich daran, was in der Gemeinde läuft”, freut sich die Gemeinderätin.

Fragt sich, wieso nicht mehr Gemeinden auf Vernetzerinnen und Vernetzer setzen. “Es braucht Mut, damit anzufangen”, erklärt Mühlematter. Zudem sei es zu Beginn eines solchen Projekts schwer, Personen dafür zu finden und zu überzeugen. “Man hat noch keine sichtbaren Referenzen, alle Ideen sind nur theoretisch.”

“Es braucht Mut, damit anzufangen.”
Isabella Mühlematter

Zudem suche man potenzielle Vernetzerinnen und Vernetzer oft in Vereinen und weiteren Gemeinschaften. Doch sei dieser Ansatz falsch: “Viele Leute wollen als Gruppe in der Gemeinde etwas bewirken – jedoch ohne dabei einem Verein beitreten zu müssen.” So könne sich jede und jeder unabhängig in dem Bereich einsetzen, wo die Stärken der Person liegen.

Bild: Die Einwohnerinnen und Einwohner von Wünnewil-Flamatt feiern das Zusammenleben

Jeder hat das Zeug dazu, zu vernetzen

Das Vernetzerprogramm “Gemeinsam in Wünnewil-Flamatt” war demnach genau der richtige Ansatz, um engagierte Einwohnerinnen und Einwohner zusammenzubringen. Den Personen eine Plattform bieten, auf der sie sich selbstständig melden und etwas bewirken können, aber ohne gleich gebunden zu sein – genau das müsse auch das Ziel weiterer Gemeinden sein. “So kann über die zahlreichen Kontakte aus vielen kleinen Ideen Grosses entstehen”, sagt Mühlematter.

Das Potenzial dazu sei in jeder Gemeinde vorhanden. Denn die engagierte Gemeinderätin aus Wünnewil-Flamatt ist sich sicher: “Jede und jeder hat das Zeug dazu, zu vernetzen. Man muss nur Mut aufbringen und damit beginnen.”

Isabella Mühlematter übernahm im April 2011 das Amt als Gemeinderätin von Wünnewil-Flamatt. Dabei repräsentiert und unterstützt sie heute die Ressorts Medien, Jugend, Integration, und Einbürgerungen. 2013 brachte sie das Thema der Vernetzung an den Gemeinderat und überzeugte diesen, das Projekt „Gemeinsam in Wünnewil-Flamatt“ zu lancieren.

Quelle Bilder: Alle Bilder wurden Crossiety zur Verfügung gestellt

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